Ellhardt Brückner

Ellhardt Brückner gehört zu jenen Konstrukteuren des Kartonmodellbaus, deren Name zwar selten im Rampenlicht steht, deren Werk aber einen festen Platz in der Geschichte des Genres verdient. Geboren 1925, gestorben 2003, war er ein Konstrukteur, der mit handwerklichem Geschick und bemerkenswertem Ideenreichtum an die Entwicklung von Modellbaubogen heranging.

Sein bekanntestes Werk ist der Bogen 71008 Chris Craft Futura – ein Modell des eleganten amerikanischen Luxusbootes „Chris Craft Futura Sports Express Cruiser" im Maßstab 1:20. Die Konstruktionsarbeiten begannen 1956, wobei Brückner nur auf rudimentäre Unterlagen zurückgreifen konnte – darunter vermutlich einen Werbeprospekt der Firma Chris-Craft, der auch als Beilage in Zeitschriften erschienen war. Da alle verfügbaren Abbildungen das Schiff lediglich über der Wasserlinie zeigten, musste der Unterwasserbereich weitgehend der Phantasie und der freien Interpretation des Konstrukteurs überlassen bleiben .

Von Anfang an konzipierte Brückner das Modell nicht als bloßes Schaustück, sondern als fahrtüchtiges Wassermodell. Der Kiel besteht aus insgesamt zehn Lagen Karton mit einer Gesamtstärke von 8 mm, wobei die Aussparungen für eine Metallwelle bereits fest eingeplant waren. Die Bauanleitung geht ausführlich auf den Einbau einer Fernsteueranlage ein – allerdings auf eine höchst eigenwillige Weise: Anstatt auf die damals noch teuren RC-Anlagen zurückzugreifen, sollte das Schiff mit Druckluft ferngesteuert werden, wobei das Ruder über einen 25 Meter langen Plastikschlauch und einen als Ballon eingesetzten Gummifinger zu bedienen war. Als Antrieb war ein „TRIX-Motor" vorgesehen, der mit so geringen Umdrehungszahlen arbeitete, dass sogar eine Schiffsschraube aus Karton für den Antrieb verwendet werden konnte .

Diese ungewöhnliche Konstruktionsidee zeigt, wie rasch eine technische Lösung von der allgemeinen Entwicklung überholt werden kann: Als Brückner 1956 mit der Arbeit begann, waren RC-Anlagen in Deutschland kaum erschwinglich. Kurz nach der Veröffentlichung des Bogens begannen 1962 die Firmen Graupner und Grundig gemeinsam mit der Serienentwicklung von Fernsteueranlagen, die den Markt grundlegend verändern sollten .

1957 bot Brückner das fertige Modell dem Verlag J. F. Schreiber in Esslingen an. Verleger Gerhard Schreiber (1922–2007) nahm das Angebot jedoch nicht sofort an. Im selben Jahr erhielt Hubert Siegmund (1916–1989) seine Festanstellung bei J. F. Schreiber und verpflichtete sich zur Exklusivität. Brückner bot seine Konstruktionen gleichzeitig auch dem Lehrmittelbereich an und arbeitete damit nicht ausschließlich für einen einzigen Verlag .

Die grafische Ausgestaltung des Bogens übernahmen beim Verlag Schreiber wohl andere Personen.

Schließlich erschien der Bogen 1960 bei J. F. Schreiber in Esslingen als Vierfarben-Offsetdruck im Format 35,9 × 42,9 cm. Das Modell besteht aus vierzehn Bogen, wobei die Bogen mit den Nummern 3, 4, 5 und 8 auf Graupappe von 450 g/m² gedruckt sind, die übrigen auf weißem Karton von 190 g/m² .

Das fertige Modell misst beeindruckende 59 × 19 × 24 cm. Im Jahr 2009 erschien beim Aue-Verlag in Möckmühl eine Neuauflage des Bogens .

Ellhardt Brückner steht exemplarisch für eine Generation von Kartonmodellbau-Konstrukteuren der Nachkriegszeit, die mit bescheidenen Mitteln und großer Kreativität Modelle schufen, die bis heute ihren Reiz nicht verloren haben.