Hubert und Terese Siegmund

Hubert Siegmund (1916–1989) zählt zu den bedeutendsten und produktivsten Konstrukteuren in der Geschichte des Kartonmodellbaus im deutschsprachigen Raum. Sein Werk ist untrennbar mit dem renommierten Verlag J. F. Schreiber in Esslingen verbunden, bei dem er eine Festanstellung als Konstrukteur erhielt und dort bis zu seinem Tod arbeitete.

Gemeinsam mit seiner Frau Terese Siegmund konstruierte er beim Verlag Schreiber insgesamt 876 Modelle – eine bemerkenswerte Lebensleistung, die die außergewöhnliche Schaffenskraft dieses Konstrukteurs eindrucksvoll belegt. Terese Siegmund war dabei generell zuständig für die Kolorierung der Architektur-Modelle.

Siegmunds Karriere beim Schreiber-Verlag begann, nachdem er zuvor bereits als freier Konstrukteur tätig gewesen war. So entwarf er beispielsweise den Modellbaubogen des legendären Ford Thunderbird, bevor er kurz darauf einen Exklusivvertrag mit J. F. Schreiber abschloss und sich damit verpflichtete, einzig und allein für diesen Verlag zu konstruieren.

Neben seiner Haupttätigkeit bei Schreiber entwickelte Hubert Siegmund gelegentlich auch Werbemodelle für Baufirmen und andere Auftraggeber.

Sein thematisches Spektrum war außerordentlich breit: Es reichte von Architekturmodellen – darunter das Rathaus Esslingen und verschiedene Gebäude einer „Mittelalterlichen Kleinstadt" – über Fahrzeuge und Fahrzeugserien bis hin zu aufwendigen Spielsets für Kinder. So entstanden aus seiner Hand unter anderem Modelle für die populäre Micky Maus-Zeitschrift, darunter eine Serie von Oldtimern der Entenhausener (1980), ein Western-Fort (1979), ein Mississippi-Dampfer (1979), eine Science-Fiction-Stadt (1983) sowie ein Entenhausener Fernsehstudio (1983).

Was Siegmunds Modelle auszeichnete, war ihre handwerkliche Qualität: saubere Konstruktion, ausgesprochen gute Durchdachtheit, hervorragende Passgenauigkeit und ein feines Gespür für kindgerechte Spielbarkeit. Er verstand es, Detailreichtum und einfache Baubarkeit miteinander zu verbinden und schuf so liebevoll gestaltete Spiel-Modellserien, die Generationen von Kindern begeisterten.

Die Bedeutung Hubert Siegmunds für den Kartonmodellbau wurde posthum durch mehrere Ausstellungen gewürdigt. Im Jahr 2005 widmeten ihm die Städtischen Museen Esslingen eine eigene Ausstellung unter dem Titel „Hubert Siegmund – Meister des Kartons". Besondere Höhepunkte dieser Schau waren handkolorierte Modelle im Entwurfsstadium, persönliche Unterlagen sowie die Werkzeuge des Konstrukteurs. 2008/2009 war sein Werk erneut in einer großen Ausstellung in Bergisch Gladbach zu sehen.

Hubert Siegmund gilt bis heute als einer der prägenden Meister seines Fachs – ein Konstrukteur, dessen Modelle nicht nur technisch überzeugen, sondern auch eine unverwechselbare gestalterische Handschrift tragen.