Karl-Harro Reimers

Karl-Harro Reimers wurde am 8. Dezember 1939 in Demmin in Vorpommern geboren .

Sein Vater, ebenfalls Karl-Harro, war zunächst Fluglehrer an der Großen Kampffliegerschule im nahe gelegenen Tutow und später, als arbeitsbeurlaubter Soldat, Werkflieger bei den Norddeutschen Dornier-Werken in Perleberg. Der kleine Harro durfte seinen Vater gelegentlich bei der Arbeit besuchen — und war mächtig stolz, seinen eigenen Ausweis an der Wache vorzeigen zu dürfen, der ihn als „Fliegeraspirantenanwärterlehrling" auswies .

Die Nachkriegszeit verbrachte die Familie in Bleckede, einer Kleinstadt an der Elbe an der Grenze zur DDR. Dort besuchte Harro die Schule, bevor er in Lüneburg das Abitur ablegte — im Jahr 1961. In dieser Zeit baute er aus Wilhelmshavener Modellbaubogen insgesamt 50 Flugzeuge, mehr als die Hälfte aller damals bei der Lehrmittel GmbH erschienenen Flugzeugmodelle .

Nach dem Abitur leistete er seinen Wehrdienst, diente ein zweites Jahr freiwillig — bedingt durch den Mauerbau vom 13. August 1961 — und schloss seine Dienstzeit als Reserveoffizier ab. An der Heeresflieger-Waffenschule in Achum erhielt er dabei eine Ausbildung als Luftbeobachter.

Ab 1963 studierte Reimers an der Technischen Universität Carolo Wilhelmina in Braunschweig Maschinenbau mit Fachrichtung Flugführung. 1973 erlangte er das Diplom als Maschinenbau-Ingenieur. Im Jahr 1969 hatte er Christa Weimann geheiratet; das Paar bekam zwei Kinder: Martin (1970) und Eva (1976) .

Eigentlich wäre Harro Reimers am liebsten Flugzeugkonstrukteur geworden, doch weder die Luftfahrtindustrie noch die Lufthansa boten ihm eine passende Stelle. So fiel die Wahl auf Daimler-Benz in Stuttgart — unter anderem, weil das Gehalt dort um 30 DM höher war als bei BMW und Studienfreunde in Stuttgart wohnten. 1973 zog die Familie nach Stuttgart, 1976 nach Esslingen. Bei Daimler-Benz entwickelte er mechanische Getriebe für Nutzfahrzeuge, doch verlagerte sich seine Tätigkeit im Laufe der Jahrzehnte zunehmend auf Verwaltungsaufgaben — eine Entwicklung, die Reimers gegen seine Natur ging .

Als Ausgleich erinnerte er sich an die Freude seiner Jugend und begann im Alter von 50 Jahren erneut mit dem Kartonmodellbau. Seit 1995 nahm er an den Internationalen Kartonmodellbau-Treffen im Deutschen Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven teil .

In seiner Heimatstadt Esslingen wirkte er beim Aufbau der Abteilung Kartonmodellbau des 1999 eröffneten J. F. Schreiber-Museums tatkräftig mit und ist dort als museumspädagogischer Volunteer und Organisator eines monatlichen Modellbautreffens aktiv .

Die Herausforderung, selbst zu konstruieren, führte ihn zunächst ans Reißbrett: mit Zeichenmaschine, Bleistift, Tuscheschreibern und Schriftschablonen entwarf er Flugzeugmodelle, die er mit Deckfarben oder Buntstiften kolorierte. 1995 fand er im Deutschen Museum München das geeignete Vorbild für seinen ersten Versuch: die DOWA 81. Es folgten die FW 200 „Condor" sowie die Gotha Go 145 im Maßstab 1:50 — letztere als Geschenk für einen Arbeitskollegen, der aus Gotha stammte. Die ersten gedruckten Modelle erschienen 1997 im cfm-Verlag München: die Heinkel He 178, das erste Düsenflugzeug der Welt, und kurz darauf das Zeppelin-Riesenflugzeug „Staaken" .

Kurz vor der Pensionierung entschloss sich Reimers, das Computerprogramm CorelDraw zu erlernen und neue Modelle ausschließlich am PC zu zeichnen. Dieser Lernprozess war buchstäblich schmerzhaft: Als Linkshänder zog er sich eine chronische Knochenhautentzündung im linken Unterarm zu und bedient seither die Maus mit der schwachen rechten Hand. Dennoch erschien im März 2003 die Dornier Do 26 „Seeadler" als erstes Modell seines eigenen Verlags „Reimers Modellbaubogen Esslingen a. N." .

Die Modelle seines Verlags genießen unter Kartonmodellbauern einen hervorragenden Ruf und zählen zu den Spitzenprodukten auf dem Markt. Besonders geschätzt werden die bebilderten Schritt-für-Schritt-Bauanleitungen mit anschaulichen isometrischen Darstellungen sowie die präzise Passgenauigkeit aller Teile. Schwierige Bauteile werden doppelt beigelegt, Propeller sind drehbar gelagert. Die Entwicklungszeit eines Bogens beträgt je nach Schwierigkeitsgrad zwischen drei Monaten und drei Jahren. Reimers arbeitet ohne Termindruck und nimmt sich die Zeit, die jeweils bestmögliche konstruktive Lösung zu finden — notfalls auch auf Kosten von drei zusätzlichen Arbeitstagen. Zu jedem Modell gehört eine große Zahl selbst durchgeführter Kontrollbauten .

Sein Programm umfasst Modelle aus den Bereichen Luftfahrt und Architektur, die aus geschichtlichen oder technischen Gründen von herausragender Bedeutung sind — und für die zum Zeitpunkt der Konstruktion noch kein aktuelles Kartonmodell existierte. Zu seinen bekanntesten Werken zählen unter anderem die Junkers A 50 „Junior" im Maßstab 1:24, der Arado 232 B-07 „Tausendfüßler" (Mst. 1:50) sowie die Messerschmitt Me 109 G-4 „Rote 7" .

Karl-Harro Reimers ist nicht nur Konstrukteur und Verleger, sondern auch ein engagierter Vermittler des Kartonmodellbaus — ein Modellbauer, der die Freude am Handwerk mit dem Anspruch an technische Perfektion verbindet.